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THE ARTIST

E
1882 the fight against the cactus was formed in the outback of New South Wales and Queensland for the first time: A handful of seriously concerned local politicians and landowners founded the " Prickly Pear Destruction Commission", a society for the containment and destruction of Opuntia ficus- indica, introduced from Mexico. In its country of origin in Latin American, it was declared immortal in the founding myth because of its fertility and was long regarded as particularly valuable because it was the host plant for the Conchenille mealy bug. From these, the red dye Carmine was recovered; best colonial asset for Europe. However , the discovery and production of artificial aniline dyes from the mid-19th century devalued the Opuntia into useless weeds. In Australia neither united manhood nor tons of arsenic and other toxins helped against the acres of land devastating neophytes, but only the import and the systematic dissemination of a cactus pest, the moth Cactoblastis caclorum. Thanks to the moth the "Prickly Pear Destruction Commission," finally succeeded against the plague 47 years after its foundation, as the Brisbane Courier on 16 November 1929 reported facilitated.
The night shot of Philip Gaisser brings the astonishing beauty of the cactus plant to light: a whole range of reds, depending on the ripeness of the figs from yellow to orange to purple unfolds in addition to the copper green of the leaves. Still, its downside, the almost martial valor and integrity is not entirely hidden. Gaisser conspicuously contrasts this lush color with a series of grainy black and white images printed on a Risograph.
While the chaoticly lined up prickly pears induce to losing the overview in a ornamental pattern, the reduced aesthetics of the risographies enforce the viewer to focus on the motifs: plants, animals , objects, surfaces . The term still life , meant in the broad sense of the English still life , is most likely the common denominator.
Depending on the formation of the black - and-white photographs of two or three rows. no logic in the sequence or image selection imposes immediately . Nevertheless, they all have a sculptural moment and the suggestive gesture willing to make visible something common. What the individual sees, is not unilinear created in the image . Rather, it serves as a door opener to an association space.
A "destruction mission" can be understood as prepending to the operation of Philip Gaisser, serving as a unifying central theme. In any case, Gaissers work is about conventions; the familiar absent is all the more intense in appearance in the alienated new edition. By this, a classic theme is taken to dismantle the inherent concepts playfully in order to attain a new level of visibility.
Text: A.K.Lenz

D
1882 formierte sich erstmals der Kampf gegen den Kaktus im australischen Outback von New South Wales und Queensland: Eine handvoll ernsthaft besorgter Lokalpolitiker und Landbesitzer gründete die „Prickly Pear Destruction Commission“, eine Gesellschaft zur Eindämmung und Vernichtung der aus Mexiko eingeschleppten Opuntia ficus-indica. In ihrem lateinamerikanischen Ursprungsland wurde sie aufgrund ihrer Fruchtbarkeit im Gründungsmythos verewigt und galt lange Zeit als besonders wertvoll, weil sie Wirtspflanze für die Conchenilleschildläuse war. Aus ihnen wurde der rote Farbstoff Karmin – bestes Kolonialgut für Europa – gewonnen. Die Entdeckung und Produktion künstlicher Anilinfarbstoffe ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entwertete die Opuntie jedoch zu nutzlosem Unkraut. In Australien half gegen den hektarweise Land verheerenden Neophyten weder vereinte Manneskraft noch Tonnen von Arsen und anderen Giften, sondern nur der Import und die systematische Verbreitung eines Kaktusschädlings, der Mottenart Cactoblastis caclorum. Dank ihrer war die „Prickly Pear Destruction Commission“ 47 Jahre nach ihrer Gründung endlich erfolgreich gegen die Plage, wie der Brisbane Courier am 16. November 1929 erleichtert vermeldet.
Die Nachtaufnahme von Philip Gaißer bringt die volltonige Schönheit des Kakteengewächs ans Licht – neben dem Kupfergrün der Blätter entfaltet sich eine ganze Palette von Rottönen, je nach Reifegrad der Feigen von Gelb über Orange bis Purpur –, ohne seine Kehrseite, die fast martialische Wehrhaftigkeit und Unantastbarkeit, gänzlich auszublenden. Augenfällig kontrastiert diese üppige Farbigkeit mit einer Serie von grob gerasterten Schwarz-Weiß-Bildern, die auf
dem Risographen gedruckt wurden. Während die chaotisch gereihten Kaktusfeigen zum Verlieren des Blicks im Ornamentalen verleiten, erzwingt die reduzierte Ästhetik der Risographien beim Betrachter eine Konzentration auf die Motivik: Pflanzen, Tiere, Objekte, Flächen. Der Begriff Stilleben, im weiteren Sinne des englischen still life gedacht, trifft am ehesten den gemeinsamen Nenner.
Je für sich bilden die Schwarz-Weiß-Aufnahmen Zweier- oder Dreierreihen. Eine Logik in der Abfolge oder Bildauswahl drängt sich nicht unmittelbar auf. Gleichwohl ist ihnen allen ein skulpturales Moment und der suggestive Gestus, etwas sichtbar machen zu wollen, gemein. Was der einzelne darin erkennt, ist nicht einlinig im Bild angelegt. Vielmehr dient es als Türöffner zu einem Assoziationsraum. Der Arbeitsweise von Philip Gaißer lässt sich denn auch eine „destruction mission“ als einender Leitgedanke voranstellen. In jedem Fall geht es um Konventionen, wobei das vertraute Abwesende in der verfremdenden Neuauflage umso intensiver in Erscheinung tritt. So wird eine klassische Bildmotivik von Gaißer aufgegriffen, um die inhärenten Konzepte spielerisch zu demontieren und dadurch eine neue Ebene der Sichtbarkeit zu erlangen. Bestes Beispiel hierfür ist der Diskuswerfer.
Wer würde ihn nicht erkennen. Eine schemenhafte Andeutung genügt, um im über Jahrhunderte angereicherten Bildreservoir fündig zu werden und die vertraute antike Pose zu identifizieren – obschon sie hier in billigen Bauschaum aus- und in ihrer Dekonstruktion mit perspektivischer Verschiebung vorgeführt wird. Von der einst wegen ihrer Naturtreue gerühmten Diskobol- Darstellung des griechischen Bildhauers Myron bleibt lediglich ein amorpher Stumpf auf ionischem Säulenimitat übrig. Doch welche Aussagen lassen sich über die Aura eines Originals treffen, das lediglich in sechs fragmentierten Kopien aus der römischen Zeit überliefert ist? Augenscheinlich geht es Gaißer weder um das Einfangen ebenmäßiger Schönheit und stiller Größe noch um die Abbildung eines Moments von höchster athletischer Anspannung. Vielmehr wird ein lustvolles Spiel mit der Unvollkommenheit von Material, Machart und Sujet dargeboten und auf dem Sockel ausgestellt.
Text: A.K.Lenz