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THE ARTIST


ABEL AUER & ANDREAS CHWATAL

CORVI-MORA, London, hosted by JO VAN DE LOO

The exhibition will be on display thru November 24, 2018.

ANDREAS CHWATAL

Andreas Chwatal (born 1982, lives and works in Munich) opposes the idea of the work of art as a “product”, instead placing the creative process — the quest for the intact — in the foreground. In this way the artist moves between the two poles of the necessity to create and the naturalness of the creation, constantly striving to invoke the magic of the natural state. This comes to light, for example, in his abstract paintings, in which the contingency of the creative process influences the end result, thereby reducing the artist’s control to a minimum.

The artist’s skill no longer manifests in an ideal product, but in his collaboration with nature. The vitality of the object is revealed in its expression through different mediums, indicating toward the non-existence of the perfect product, since no ideal form can be given to the content. All forms are equally fit to “say that which cannot be said”. Through this collision between ambiguity and precision, Andreas Chwatal summons art’s primal scream against what Walter Benjamin regarded as the artwork’s loss of aura in the age of its mechanical reproduction.

Written by Almut Karl, 2018



D

Andreas Chwatal (geb. 1982, lebt und arbeitet in München) verweigert sich einer in instrumenteller Weise durchgeführten Produktion, indem er Arbeiten kreiert, die durch die enorme Akkuratesse den Betrachter herausfordern und den Blick verlangsamen, indem sie die Interpretation erschweren und in diesem Sinn kein ideales Produkt darstellen. In den Vordergrund tritt der Schöpfungsprozess, die Suche nach dem Unberührten. Der Künstler bewegt sich damit im Spannungsfeld zwischen Schöpfen-Müssen und natürlicher Belassenheit und sucht immer neue Wege, diese Magie des Naturzustands herbeizuführen, wie etwa in seinen abstrakten Tuschebildern durch den kontrollierten Einsatz von Zufall und Fehler.
Die Fähigkeit des Künstlers manifestiert sich nicht mehr darin, dass er ein ideales Produkt erzeugt, sondern indem er gleichsam auf der Seite der Natur schöpft. Unterdessen offenbart sich die Lebendigkeit des Objekts in der Fixierbarkeit in verschiedenen Medien und verweist so darauf, dass ein perfektes Produkt nicht existiert, weil es keine perfekte Form gibt, sondern alle Formen gleichermaßen geeignet sind, das, was überhaupt gesagt werden kann, zu sagen. Andreas Chwatal versucht, durch die Kollision von Präzision und kryptischer Ambivalenz dem von Walter Benjamin konstatierten Verlust der Aura des Kunstwerks in Zeiten seiner Reproduzierbarkeit eine Art Urschrei der Kunst entgegenzusetzen.

Text: Almut Karl (2018)



ABEL AUER

Ich geh im Wald spazieren in der Hoffnung, hier den Dingen zu entkommen, die der Philosoph Timothy Mortorn wohl Hyperobjekts nennt, der Klimawandel, das Internet von Menschen verursacht und dabei unsüberfordernd, man kann nicht wirklich darüber nachdenken, geschweige denn Reden ... („Geschweige denn Reden“ hahaha....) ob man es malen kann sei auch dahingestellt oder in wie hier nun dahin gehängt.
Ich habe es jedenfalls versucht, bei Youtube gibt es so ziemlich alle Philip K. Dick Science Fiction Romane als Hörbuch, die mich beschallen beim Pinseln, da gibt es immer wieder Momente, die aus gegenwärtiger Sicht wie Prophezeiungen klingen, die sich erfüllt zu haben scheinen... Dann schlägt mir der Algorithmus ein Interview mit Elon Musk vor, er spricht über Artificial Intelligenz : „ I try to warn people , they don t care about this ,its going to happen“ unheilschwanger ist es. Mein Atelier lässt sich nicht mehr im Raum-Zeit-Kontinumm verorten irgendwo lost zwischen den Hyperobjekten und den sich manifestierenden Zukunftsvisionen verkomme ich zu einem Protagonisten einer gruseligen Erzählung. Mir wird schwindlig von Informationsflut und der dauernden Hitze.
Deswegen in den Wald, vielleicht ist er kühl und real, der Forst an dem ich wohne heisst Max- Horckheimer-Anlage, weil er auch hier aufgewachsen ist, mir fällte eine neuerschienene Schrift ein „Der Schein des Lichts der ins Gefängnis selber fällt“ Religion, Metaphysik, Kritische Theorie. In der Rezession heisst es: „Die Autorinnen und Autoren gehen insbesondere religiösen Themen und metaphysischen Thesen bei Adorno nach, die von dessen Apologeten meist stillschweigend übergangen, von den Kritikern hingegen zur Sackgasse seiner kritischen Gesellschafts­theorie erklärt werden.“ Ich betrachte die Gedenktafel im Wald für Horckheimer und gedenke dies Buch zu bestellen, vielleicht verhilft es mir zu einer Klarheit.
Der anliegende Brunnen im Wald ist jetzt auch nach ihm benannt, eine Stele mit einem toten Wasserspeier, es ist irrational und kultig, sie könnten Andreas zu einem Relief inspirieren, ich gehe weiter und im Dickicht hinter der Grillstelle laufe ich über ein Grabhügel aus der Eisenzeit, mindesten 2500 Jahre alt, die liegen hier schon länger als Jesus denk ich mir und die alten Baobab Bäume in Afrika, die gerade absterben sind ungefähr auch so alt, ich habe sie angefangen zu malen und behaupte eine zynische Freude, da sie mir Gelegenheit geben als Landschafsmaler das Aktuelle zu streifen und „political“ zu sein, doch es ist eine Pose und eigentlich beherrscht Trauer und Ambivalenz die Situation. Mein Spaziergang führt mich zu Gleisanlagen und einer Zubringerstraße, die eine Bresche in die Natur schlagen, sie gehören zum Werksgelände der Firma Bosch, es ist menschenleer und erinnert an die Zombiserie „The Walking Dead“...
In München angekommen hängen Andreas und ich gemeinsam die Ausstellung auf, jetzt macht alles Sinn, andauernde Synchronizitäten, da hat er einen Ritter dabei und er steht am Wald wo eine Burg im Hintergrund ist, der Rousseau nimmt eine Pose ein wie die Subjekte mit Mantel und Stock. Dass der Panzer den schönen Wald ins Visier nimmt macht alles noch besser, denn die Idylle ist fragil und bedroht, alles verbindet sich, es ist schön und schrecklich gleichermaßen und ergibt einen schönen Sinn.

Text: Abel Auer (2018)
(English version coming soon.)