Deprecated: mysql_connect(): The mysql extension is deprecated and will be removed in the future: use mysqli or PDO instead in /www/joo/config.inc.php on line 57 galerie JO VAN DE LOO
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THE ARTIST


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Die in München lebende Künstlerin Nigin Beck (* 1984 in Deutschland) bezieht sich in ihren Arbeiten immer wieder auf ihre iranischen Wurzeln. Ebenso wie in ihren Zeichnungen und Collagen, die Themen unabhängig von ihrer familiären Situation einfangen, spielt dabei oftmals ein zuweilen feiner und zuweilen auch direkter Humor eine große Rolle. In ihrer Serie Superser nutzt Beck traditionelle persische Porträtmalereien als Grundlage einer Art Collage und malt den dargestellten Personen Verbände auf ihre Nasen. Beck spielt damit auf die im Iran in Mode gekommene Schönheitsoperation der Nasenhöcker an; politisch mag sich der Iran ja vom Westen distanzieren, die Individuen streben aber offensichtlich eine Annäherung an, und manifestiere sich diese auch nur in der Operation einer Nase hin zum westlichen Phänotypen.
In ihrer Ausstellung Monsters Devils Heroes findet Nigin Beck allerdings weit weniger ironische Wege, ihre innere Zerrissenheit zwischen ihrer westlichen Heimat Deutschland und der Heimat ihrer Familie und vieler Freunde, dem Iran, Ausdruck zu verleihen. Die Aneignung kulturspezifischer Materialien und Formensprachen ist ihre Basis, sich einer uralten Kultur anzunähern, der sie sich eng verbunden fühlt. Als Spiegelbild dieser inneren Ambivalenz im wortwörtlichen Sinne könnte man die Werkserie Miniatures verstehen. Wiederum dienten Beck persische Miniaturmalereien als Vorlage. Anders als in den opulent ausgeführten Vorlagen herrscht in Becks Miniatures allerdings lineare Reduktion. Lediglich die architektonischen Umrisse wurden den Vorbildern entnommen . Zwar muss der Blick des Betrachters sich nun nicht mehr wie bei den persischen Vorlagen langsam einen Weg durch das Gewimmel des Dargestellten suchen. Dennoch verlangt auch die Betrachtung der Miniatures trotz ihrer minimalen Ausführung nach Zeit, genauer: Echtzeit. Bei vollem Tageslicht irritiert die Dominanz des - aufgrund der Materialität des Antikglases - leicht flimmernden Spiegelbildes des Betrachters und Raumes auf der Bildfläche, das subtil von den feinen Linien unterbrochen wird. Durch die Hinterlegung der Linien mit Nachleuchtpigment kommen bei Eintreten der Dämmerung die Architekturen der Miniatures langsam zum Erleuchten. Mit dem Schwinden des Tageslichts geht auch das der Umgebung und des Betrachters einher, die nur noch als Schatten auf den Architekturen wahrnehmbar sind und ein Gefühl an eine vergessene Zeit und nicht erlebten O rt hervorrufen, deren Teil man trotz seiner Präsenz nicht ist.

Den Miniatures gegenübergestellt sind Monsters Devils Heroes und Terrors Pleasures Desires. Die beiden an Grabplatten erinnernden Arbeiten weisen wie Miniatures eine architektonische Form auf, einen mit Zinnen besetzten Bogen, der aus Keramikkacheln zusammengefügt wurde. Aus diesen wurden auf der einen Tafel die Worte 'Monsters Devils Heroes' auf der anderen 'Terrors Pleasures Desires' aus den noch ungebrannten Kacheln herausgeschnitten. Der Hintergrund ist ähnlich den Miniatures mit Spiegelstücken ausgefüllt, die auch in diesen Arbeiten Bild- und Betrachterraum vereinen und damit die Dialektik des Sichtbaren und das selbst Empfundenen auflösen. Die assoziativen Wörter manifestieren den ambivalenten westlichen Blick (der Künstlerin) auf den Iran, ein nicht greifbares, sehnsuchtserweckendes aber auch befremdendes, gar furchteinflößendes Land.

An der Stirnseite der Galerie ist die Arbeit ohne Titel, o.T., zu sehen: ein altes Tuch, von der Künstlerin bei einer ihrer Reisen auf dem Teheraner Bazar erstanden, über Schaumstoff gespannt, in einem Rahmen aus einzelnen Keramikstücken, jenem Material, das sie auch schon in Monsters Devils Heroes und Terrors Pleasures Desires verwendet hat. In den Stoff hat sich durch Sonnenlicht das Nachbild eines Fensters eingebrannt. Vormals also offenbar ein Vorhang, hat der feine Stoff durch Beck seine ursprüngliche Funktion verloren und eine kompakte dreidimensionale Form erhalten. Zudem verdeckt er nicht mehr die Aussicht, sondern ist selbst Blickfang, drängt sich dem Besucher sogar förmlich durch die Wölbung in den Raum hinein auf. Dennoch verweigert sich das Objekt einer Vereinnahmung durch den Betrachter, unterstrichen durch das Fehlen eines Titels. Denn anders als in den oben erwähnten Arbeiten gibt es in dieser Arbeit keinen Spiegel, der Objekt und Betrachterraum verschmelzen ließe. Trotzdem oder gerade dadurch bettet sich die Arbeit in die Ausstellung ein, bietet sie doch einen neuen Aspekt der Hinterfragung von Raum und Zeit: während man sich bei den Miniatures und Monsters Devils Heroes und Terrors Pleasures Desires einer zeitlichen Einordnung sicher wähnte, irritiert o.T.. Nicht wir wandern bei der Betrachtung in eine vergangene Zeit, sondern die Vergangenheit drängt sich in durch die Form von o.T. im wahrsten Sinne in das Jetzt. Wir haben es hier mit einem Zeitzeugen zu tun, dessen Zeit eigentlich längst vergangen ist. Mit dem Verlust seiner ehemaligen Funktion emanzipiert sich der Vorhang als eigenständiges Objekt mit einem irritierenden Nachleben.

Es ist deutlich zu spüren, dass alle gezeigten Arbeiten im Hinblick auf ihre gemeinsame Präsentation in der Ausstellung entstanden sind. Die Zeitebenen von längst Vergangenem, Erlebtem, Erhofftem, Angenommenem und Gegenwärtigem überlagern sich und vermengen sich zu einem Spannungsfeld. Doch handelt es sich nicht nur um eine persönliche Positionierung der Künstlerin. Nigin Beck schafft eine Metaebene aus einer ambivalenten instabilen Gleichzeitigkeit und Gleichörtlichkeit, die vom Betrachter seinerseits eine Verortung verlangt.