Deprecated: mysql_connect(): The mysql extension is deprecated and will be removed in the future: use mysqli or PDO instead in /www/joo/config.inc.php on line 57 galerie JO VAN DE LOO
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THE ARTIST


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Die neuen Arbeiten von Lorenz Strassl bei Jo van de Loo sind alles andere als dazu angetan, uns da hängen zu lassen, traditionellen Vorstellungen von Manifestationen an Oberflächen oder Abbildungstechniken anzuhaften. Es ist nämlich durchaus erstaunlich, wie solche - selbst dann, wenn sie sich außerordentlich fortschrittlich geben - zu dem Ergebniss führen, uns in Mustern der Reproduktion der Repräsentation gefangenzuhalten.

Um den Diskussionsrahmen einmal in aller Kürze abzustecken: es geht darum, die Zeichen in eine solche Art des Schwimmens zu befördern, in der sie außerhalb schon längst abgesteckter Rahmenbedingungen und Defnitionsmöglichkeiten aufgegriffen werden. Mag sein, Begriffsdefinitionen können ein wichtiger Bestandteil des Verstehens und der Kommunitkation sein, auch da wo sie sich noch so ephemeren Qualitäten zuwenden. Als Festschreibungen liefern sie allemal Hilfestellungen für den selbstüberzeugten Blick. Den nicht-surrogaten Realitätsrahmen vermögen sie nicht zu hintergehen.

Bei Strassls Arbeiten lassen sich diese Verhältnisse im Kern angehen. Es gibt dort das Tragende und das Getragene. Das ist erst einmal in seiner unverhohlenen Einfachkeit eine Anordnung, die zweierlei aufweist: die unverbrüchliche Ebene konstanter Affirmation als auch die Bruchstelle hin zum weniger Offensichtlichen. Es läßt sich hier also Transparenz erzeugen, es ist der unmittelbare Ort der Einschreibung, körperlich fast spürbar befinden wir uns in dem Moment, direkter Übertragung realer Machttechniken, aber auch in einem Raum, wo dieser Prozess sich am sensibelsten ausnimmt, noch keine Sicherheit vermittelt in seiner zeitlichen Dauer. In dieser puren Ausgestaltung, in den aus Tragendem und Getragenem zusammengefügten Assemblagen, liegt das Ganze darin, auf ein neues Feld überführt werden zu können.

Es scheint immer eine Frage der Organisation und von Zugeständnissen, eine Art der formalen Gewichtung. Strassl geht nun einen kleinen Schritt weiter, indem er Grenzziehungen aufhebt. Eine Undeutlichkeit macht sich breit, eine Neuverteilung der Rollen nimmt er vor, die Elemente verschwimmen, jede Hervorhebung verschmilzt mit dem Hervorgehobenen und umgekehrt.

Es sind Schiffe, die da gezeigt werden, Schiffe aus einer anderen Zeit, vielleicht aus der der Entdeckung Amerikas, Segelschiffe. In einem monochromen Matsch eingehüllt fehlt den Schiffen eine ins Detail gehende, differente Struktur. Auch sind alle gezeigten Schiffe eher gleich, sie besitzen keine Individualität. Um nur einen Typus auszumachen, weichen sie einer Formgebung aus, die auf der Ebene einer Chiffre hängen bleibt.

Man merkt den Schiffen eine liebevolle Hinwendung zu ihrem Gemachtwerden an. Sie sind Ikonen, Bilder von etwas, das die gleichen Qualitäten aufweist, wie das abgebildete Objekt, denn es sind nicht die wirklichen Schiffe, die hier interessant sind, es sind deren Modelle. Überhaupt das Modellbauen als eine akribische Annäherung an die Wirklichkeit, die, ist sie dann das Modell dieser selbst, verschwimmt in den zeichenbasierten Zugriffsmöglichkeiten zur Simulation.

Geisterschiffen gleich segeln Strassls Schiffe, hat man sie wahrgenommen, aus dem Blickfeld. Der 'Sockel', das Tragende, drängt sich auf, die Präsentation. Jetzt verlassen wir den Bereich der Gleichförmigkeit, auch den der Vergangenheit und doch kommen wir auf das, was Vorgeordnet ist; Herr und Knecht vertauschen die Rollen. Strassl schöpft hier aus einem riesigen Reservoir aus Vorgefundenem, bunt, vielgestaltig. Die Wandobjekte transzendieren sich zu wahren Wunderwerken dessen, wie sich die Dinge sagen lassen und wie das Sagen der Dinge sich aus verkrusteten Anhänglichkeiten befreien läßt.

Es ist eben die Art der Anordnung, das Übereinanderschichten, nicht das Nachordnen, das immer den kausalen Einschub erlaubt. Strassl schichtet Tragendes und Getragenes so ineinander, dass sich das eine nicht mehr als Privation des anderen ergeben kann - die permanente Gleichzeitigkeit der Dinge, in der das Argumment der Simulation nurmehr eine Andeutung affirmativer Anhänglichkeiten andeutet.

Die Geschichte vom Hl. Christopherus ist ja letztlich die, über die Suche in der Welt nach dem höchsten Meister. Er dient sich einem König an, auch dem Teufel. Die Legende kulminiert in dem allbekannten und sehr bibelfernen Bild, wie er, Christophorus das Jesuskindlein über einen immer stärker anschwellenden, schließlich reißenden Fluß trägt. Sicher, hier handelt es sich um eine der Erzählungen, die die christliche Dogmatik in der Form eines volksnahen Narrativs verankert, eine Art Modell der Repräsentation. Personen der Handlung sind: der Tragende und der Getragene. Das seltsame an dieser Geschichte ist die Verlegung des Getragenen in eine Nebenrolle, es ist die Perspektive von Unten und es findet sich darin der feine Hinweis, wie fragil die Position der Macht sein kann.
Text: Christoph Sehl