Deprecated: mysql_connect(): The mysql extension is deprecated and will be removed in the future: use mysqli or PDO instead in /www/joo/config.inc.php on line 57 galerie JO VAN DE LOO
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E
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D
Keep Control*

Der Umschlag von dem Vertraulichen ins Unheimliche, Groteske, ja sogar Obszöne erfolgt in
dem Blitzmoment eines Gedankens oder Augenaufschlags. Wie geklärt die formalen
Bildwelten von Bernadette Corporation, Paul McCarthy, María Meléndez, Mike Kelley, Mark
Leckey, Michaela Meise, Nobuyoshi Araki, Andreas Chwatal, Ben Cottrell, Ina Weber, Anouk
Kruithof oder Amelie von Wulffen auch erscheinen mögen, latent steckt in allen ein
aufru?hrerisches Potential. Der Einbruch des Absurden und Abgru?ndigen erfolgt u?ber die
Hintertu?r, in dem Augenblick, als man sich in Sicherheit u?ber das Wahrgenommene wähnt.
Voru?bergehender Kontrollverlust ist die Folge. Oft verschwindet auch die Grenzlinie zwischen
Illusion und Desillusion bis zur halluzinogenen Unkenntlichkeit. Und genau dieser
schwelende Unsicherheitsquotient macht den Reiz vieler Werke aus der IC Collection aus.

"We can't take control
All we have is fake control
Basically no control
So fuck control"*

Hakelhug heißt eine zentrale Arbeit von Kai Althoff, die paradigmatisch fu?r das fiktionale
Moment innerhalb der IC Collection steht. Ein gleichnamiges halbabstraktes Aquarell auf
Reispapier lässt im gru?nen Fond einer hu?geligen Landschaft schemenhaft eine bräunliche
Figuration in Form eines Klecks erkennen. Vielleicht ist die Erscheinung aber auch nur pure
Suggestion! Unter dem Pseudonym „Hakelhug“ agieren in Essays Kai Althoffs nicht von
ungefähr sowohl ein vereinsamter Politaktivist als auch der Bassist einer Krautrockband. Es
sind letztlich die schillernden Facetten von Althoffs eigener, nicht greifbarer
Ku?nstlerpersönlichkeit. So bietet die Spannung zwischen narrativen und abstrakten Polen
ein Reibungsfeld fu?r Ironisches.

"We are walking knights
Taking pills to feel fine
We sit back and sip our wine
Lost our fires about the time"*

Die hochgradige Konzeptualität der Werke von IC Collection schließt also nicht aus, dass
sich auf Schleichwegen stark subjektive, fiktionale und auch sarkastische Aspekte entladen.
Die Sammlung umfasst Werke aller Medien, in deren intellektuellem Zugriff zugleich eine
existentielle Doppelbödigkeit offenbart wird. Urspru?ngliche Basis von ICC sind die Maximen
der Kontextkunst in den Ausfu?hrungen von Nicolas Bourriaud. Bis heute lassen sich – wie in
dessen “Relational Aesthetics" – die vernetzten Werkbezu?ge weniger von kunstimmanenten
Faktoren als von einem Gesamtkosmos der menschlichen und sozialen Gegebenheiten
ableiten. Dass der Sammler Ioannis Christoforakos seine Magisterarbeit in Kunstgeschichte
u?ber das klassizistische Grabmal im 19. Jahrhundert verfasst hat, mag man noch in dem
starken Formwillen der präferierten Arbeiten erkennen. Entgrenzung bedeutet bei ICC keine
von der Ku?nstlerhand erwirkte Expressivität, sondern das subversive Aufkeimen von
destabilisierenden Faktoren innerhalb gewisser Ordnungsgefu?ge. Und damit kommt die in
jeder Gesellschaft prekäre Balance zwischen Kontrollzwang und -verlust auch in den
Kunstwerken zum Tragen. Gerade in unseren unwägbaren, sogenannten postfaktischen
Zeiten ist die Gratwanderung zwischen Keep Control – Fake Control ein mehr als brisanter
Themenkomplex.

Birgit Sonna

*Lyrics: Jan Blomqvist: Keep Control