NOW / SOON / PAST / NEWS / ARTISTS / ABOUT / CONTACT
WORKS / INSTALLATION VIEWS / TEXT
THE ARTIST


E
The first time Arno Schidlowski told me about JASMUND, his photographic long-term project, I didn't have high expectations. I was deterred by the initial information that he realised his series on the island of Rügen; my associations were those of a popular tourist site, a place of pilgrimage and romantic idealisation. His descriptions seemed abstract, and despite my appreciation for Arno's earlier work I wasn't able to grasp what it was about. I wasn't prepared for the photographs he later showed me; as it turned out he had for a long time withheld a silent treasure, standing in direct contrast to the ritualised flood of romantically idealised images, yet neither avoiding a universal visual language. Now it became evident to me why it was so difficult for Arno to pin-point his subject matter: how to find more than empty words for a photograph, if the depicted - "nature" in the broadest sense - had been so often described? What felt different about these images withdrew itself - as is so often the case - from the clear definitions of language.
In search of a photographic approach between uniformity and individuality Arno confronted the challenge of ubiquitous romantic clichés with, in his own words, "ambiguous feelings". Only taking this risk made these images of unusual, broken beauty possible. The actual place where the photographs were taken fades into the background.
The determining elements for the series of 35 images, all of them traditional analogue C-type prints, are their colour spectrum and their involvement with the phenomenon light. It is this aesthetic which ostensibly lends to the work the aura of romantic landscape painting. On closer inspection however, Arno's subject matter turns out to be more complicated: there is no drama, no emotional act of liberation; the gaze seems rather directed inward. In this confrontation with nature it is about receiving and reacting and finding one's own position. On closer observation one will feel a distance, sometimes giving the impression of looking at an epic view through the wrong end of a telescope.
In Arnos photographs "natural beauty" appears elusive and out of reach. Single images are bound in sequences: two variants of a coastal view give the impression of a withdrawing landscape. In the second image merely a small part of the previous motif remains visible. Another set of photographs shows the same water surface, one calm and one disturbed by a small wave. The images seem to exist at the edge of their own disappearance.
The dialectic of positioning oneself with the environment is reflected in this very rhythm of the work. Thus Arno creates resonances, finding their expression in breaks, intervals and repetitions. When looking at the photographs the gaze oscillates between standstill and movement and thus becomes not only a witness of the "has-been", but also of continuity and eternal recurrence. Calmly and slowly Arno creates a space of shifting temporality, which seems to work by its own rules.
In JASMUND romanticism's promise of man's unity with nature through poetic contemplation remains unfulfilled. It is the fragmentary nature of photography by which we are thrown back on ourselves. The sensual quality of the images is accompanied by the sober realisation that the world is spinning in its universe, regardless of whether there are human inhabitants.
text by Regine Petersen


D
Als mir Arno Schidlowski vor ein paar Jahren das erste Mal von seinem fotografischen Langzeitprojekt JASMUND erzählte, hatte ich keine hohen Erwartungen. Die vordergründige Information, dass die Bildserie auf Rügen realisiert wurde schreckte mich ab - verband ich doch mit der Insel nichts anderes als eine populäre Touristen- und Pilgerstätte und einen Ort romantischer Idealisierung. Trotz meiner Wertschätzung für Arnos frühere Arbeiten konnte ich mir unter seinen zu dem Zeitpunkt noch abstrakten Beschreibungen wenig vorstellen. Auf die Fotografien, die er mir später zeigte, war ich nicht vorbereitet. Wie sich herausstellte, hatte er lange Zeit einen stillen Schatz unter Verschluss gehalten, der im Kontrast stand zur ritualisierten Bilderflut romantischer Ideen, ohne sich dem Gedanken einer universellen Bildsprache zu verstellen. Mir wurde deutlich, warum es für Arno so schwierig war, seine Thematik zu benennen: Wie sollte man für eine Fotografie mehr als Worthülsen finden, wenn das Abgebildete - "Natur" im weitesten Sinne - schon so oft beschrieben wurde? Das was sich an den Bildern anders anfühlte entzog sich - wie so oft - den deutlichen Definitionen der Sprache.
Arno stellte sich in seiner Arbeit bewusst der Herausforderung von allgegenwärtigen romantischen Klischeevorstellungen - mit ambivalenten Gefühlen wie er selbst sagt - auf der Suche nach einer fotografischen Haltung zwischen Uniformität und Individualität. Erst durch dieses Wagnis konnten Bilder von ungewöhnlicher, gebrochener Schönheit entstehen. Der eigentliche Ort, an dem fotografiert wurde, rückt dabei in den Hintergrund.
Bestimmend für die Serie aus 35 Bildern, allesamt traditionelle analoge C-Prints, wurde hingegen ihr eindringliches Farbspektrum und die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Licht. Es ist diese Anmutung, die der Arbeit vordergründig eine Aura von romantischer Landschaftsmalerei verleiht. Bei genauerem Hinsehen erweist sich Arnos Thematik jedoch als komplizierter; in der Arbeit findet sich keine Dramatik, kein emotionaler Befreiungsschlag; der Blick scheint vielmehr nach Innen gerichtet. In der Konfrontation mit der Natur geht es um ein Aufnehmen und Reagieren, darum, seine eigene Position zu finden. Bei eingängiger Betrachtung wird eine Distanz spürbar, die einem bisweilen den Eindruck vermittelt, als würde man ein Epos durch das falsche Ende eines Fernglases betrachten.
Die Welt in Arno Schidlowskis Fotografien erscheint in ihrer Schönheit entrückt und ungreifbar. Einzelaufnahmen binden sich ein in serielle Abfolgen: In zwei Varianten einer Küstenansicht wirkt es, als entziehe sich die Landschaft der Betrachtung. Lediglich ein Versatzstück des vorangehenden Motivs bleibt im Folgebild noch sichtbar. Auch eine Wasseroberfläche taucht in der Serie ein weiteres Mal auf, die vorerst ruhige See nun von einer kleinen Welle durchbrochen. Die Bilder scheinen am Rande ihres eigenen Verschwindens zu existieren.
Die Dialektik des Positionierens findet ihre Entsprechung in ebenjenem Rhythmus der Arbeit. Im Austarieren seiner selbst mit seinem Umfeld schafft Arno Resonanzen, die in Unterbrechungen, Intervallen und Wiederholungen ihren Ausdruck bekommen. Der Blick beim Betrachten der Fotografien oszilliert zwischen Stillstand und Bewegung und wird somit nicht nur Zeuge des Dagewesenen, sondern auch von Kontinuität und ewiger Wiederkehr. In aller Ruhe und Langsamkeit schafft Arno einen Raum sich verschiebender Zeitlichkeit, welcher nach seinen eigenen Regeln funktioniert.
Das Versprechen der Romantik nach Einheit mit der Natur durch „poetische Versenkung“ findet in JASMUND keine Erfüllung. Es ist das fragmentierende Wesen der Fotografie selbst, das Technische des fotografischen Apparats, durch das wir wieder auf uns selbst zurück geworfen sind. Die Sinnlichkeit der Bilder wird begleitet von dem nüchternen Gedanken, dass sich die Welt im Kosmos dreht, unabhängig davon, ob sie Menschen beherbergt.
Text: Regine Petersen