Deprecated: mysql_connect(): The mysql extension is deprecated and will be removed in the future: use mysqli or PDO instead in /www/joo/config.inc.php on line 57 galerie JO VAN DE LOO
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THE ARTIST


E
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D
Seit Kant (und vielleicht auch schon etwas früher) ist es üblich, Bilder in das Spannungsfeld zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen anzusiedeln. Dies stattet die Dinge der Kunst immerhin mit einer speziellen Lesbarkeit aus, die in einem weiteren Schritt wiederum immer und immer wieder in die Reflexion der Kunst selbst miteinbezogen wird.
Im Kontext der Kunst bewegt sich die kollektive Erinnerungsleistung in 'Nebelregionen', in denen - um hier einmal Marx zu bemühen - die Produkte des menschlichen Kopfes mit Leben gefüllt sind.
I would do like you do - kann dann zu Vorstellungen führen, die bei Marx begrifflich mit dem Fetisch gefasst sind. Diesen versucht er mit der Analogie zu animistischen Religionen begreifbar zu machen, oder eben zu 'I Voodoo Like You Do'. Die Ausstellung von Nigin Beck kreist um das Phänomen 'Voodoo', den intensiven wie obsessiven Bildwelten abgezirkelter Kollektive, den symbolischen Bedeutungsebenen die sich aus einem intersubjektiven Einigungsverhalten erschließen.
Das ist nicht einfach. Das ist kompliziert. Die gesellschaftlichen Übereinkünfte erzeugen sich aus je historisch bedingten Zusammenhängen. Ein Irrgarten ist es, in dem man sich befindet, die jeweilige Bedeutung einem Bedeutenden zuzuordnen.
Aber 'I Voodoo Like You Do' macht dieses Spannungsfeld transparent; das magische Wesen selbst wird zu einer Spekulation, das Bild rutscht in ein bewusstes Verhältnis zu einem allgemeinen Behauptungsanspruch, indem es auf ein klar subjektiv angesiedeltes Produktionsverhältnis verweist - nicht ohne einen wunderbaren Zauber zu entbehren.
Diese ganz eigene Geschichte rekonstruiert das Bild auf Ebenen, in denen Materialien, aus einem für Nigin Beck klar umrissenen Fundus, genommen werden und in (Bild-)Objekte verwandelt werden. Es ist genau diese Verwandlung, die immer eine Offenheit mit sich trägt, weil sie zum einen, eine in der Gegenwartskunst lokalisierbare Sprache aufgreift, die das Figurative in Form von zeichenhaften Verkürzungen miteinbezieht, comikhaft, vom Plakativen ableitend, eine ganz eigene Welt von Pop erzeugt. Zum anderen machen sie dies mit Mitteln, die sich aus ungeahnten Feldern herschreiben: mit der Welt der eigenen Kindheit, dem Bereich einer irgendwie woanders angesiedelten iranischen Kultur, schließlich: Keramik, immer wieder die Keramik, broken and unbroken.
Wie Opfer werden diese Dinge dargebracht: Ziegenhaar, Wolle, Stoffe und in Objekte gebannt - 'Mambo', 'Babalawo' - in fratzenhafte Gesichter, auseinandergelegte Figuren ('Raven No. 1 - 3'); Voodoo in der Einflußsphäre subjektiver Gestik, Keramikplatten, durchlaufen mit subtil gesetzten Bruchlinien. Der zerbrochene Rahmen, auch hier Keramik, fein gefasst und fein fassend umspielt ein Thema suggestiver Subjektivität (‚Movie Star’) und der banalen Befähigung zum Kochen. In dem mehr ins figurativ gehenden Objekt ('Papa Legba') thront ein blauer Zigenhaarbüschel über einem fragil aus Keramitplatten erstellten Kasten, ein Schrein, ein Altargebilde als würde es zu uns sprechen wollen. Allein, was es sagen will, ist uns selbst überlassen. Eben, I Voodoo Like You Do...
Diese „fremde Kultur“, dieser Orient, dieses ferne Reich eines und überhaupt des Anderen läuft wie ein nicht entzifferbarer Untertitel durch die Ausstellung. Wie eine Bruchkante durch eine eindeutig zuordenbare Subjektivität erzeugt dies eine Irritation, die genau dann auftritt, wenn man meint, dies alles, die Arbeiten, fassen zu können:
'(...) I belonged to more than one history and more than one group. As to whether such a state can be regarded as really a salutary alternative to the normal sense of belonging to only one culture and feeling a sense of loyalty to only one nation, the reader must now decide.'
(Edward W. Said, Culture and Imperialism, S. xxxi)
Eine schöne Umkehrung findet also statt, und das Allgemeine bildet sich eben nicht aus dem Besonderen. Hält man an diesem Moment fest, so bleibt in der Betrachtung - wie in der Produktion – von Kunst, das semiotische Ereignis als solches erhalten. Auch das geheimnisvolle 'Rauschen im Tunnel der Kommunikation' (Jurij M. Lotman) ist hier erzeugt: 'I got an Attitude'.
Text: Christoph Sehl (reflektorM, 2015)