Deprecated: mysql_connect(): The mysql extension is deprecated and will be removed in the future: use mysqli or PDO instead in /www/joo/config.inc.php on line 57 galerie JO VAN DE LOO
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OWA OWERÖSTERREICH
EINE REISE INS KLISCHEE VON FRANZOBEL
Oberösterreich? Eine spröde, ländliche Gegend, wo selbst die Hauptstrasse
der Landeshauptstadt Landstrasse heißt, knorrige Bäume in nebelverhangenen
Feldern oder auf braunen, mit Raureif bewachsenen Wiesen stehen,
die Menschen verwurzelte Knödelgesichter haben, aus denen Wörter wie
oidamlang, oidfaderisch, oarschwarm, Dreaschen, Dedern oder Zwidawurzn
kommen. Oberösterreich, das sich sprachlich von Salzburg oder Niederösterreich
nur in Nuancen unterscheidet: An Wörter, die im Plural mit L enden,
hängt man prinzipiell ein N: Dackeln, Schwammerln, Vierteln. Auch spricht
man B’s als W aus wie auch umgekehrt, sagt man statt Leberknödel Löwerknödel
und Löbe statt Löwe, Möwe sind Möbelstücke und Möbe der Vogel.
Owaösterreich. Beim Telefonieren sagt man, morgen rühre ich mich wieder –
so, als ob man sich bis dahin nicht bewegen würde, man versteinert in der
eigenen Sprachlosigkeit, einem Panzer aus Komplexen, Minderwertigkeitsgefühlen
ausharren würde. Oberösterreich, vier höchst unterschiedliche
Viertel(n), in denen man überall kleine Zwetschken, Kletzen, Zirben oder
Vogelbeeren destilliert, Bauernschnapsen spielt, rote Schnapsnasen wie
Scheibtruhen mitten im Gesicht trägt und ein Schnaps vor allem eines können
muss, die Gurgel runter fahren wie die Feuerwehr zum Brand. Es gibt
hier keinen Wein, nur Most, Bier, Schnaps und viele Erdäpfel.
Der Oberösterreicher ist geschäftstüchtig, manchmal auch bauernschlau.
Sein Humor ist so trocken wie altes Brot. Eines der reichsten Länder überhaupt.
In Oberösterreich gibt es mehr Blasmusikkapellen als Gemeinden, ein
einzigartiges Netz an Landesmusikschulen und Goldhaubenvereine. Und in
Oberösterreich gab es nicht nur viele Nazis, die im Hitlerstaat hohe Posten
bekleideten (Eichmann, Kaltenbrunner, usw.), nein, es gibt noch immer
Rechtsradikale, junge Nazis, die Denkmäler zerstören, Friedhöfe schänden,
Hakenkreuze auf Plakate schmieren oder Teilnehmer von Gedenkkundgebungen
(Ebensee) beschießen. Andererseits ist Oberösterreich auch modern,
neuen Technologien ebenso wie avantgardistischen Kunstrichtungen zugetan,
stolz auf die ars electronica und das Festival der Regionen. Ein Arbeiter-
und Bauernland, nur wenig Bürgertum.
Linz hat (wie sonst nur Frankfurt in Europa) mehr Arbeitsplätze als Einwohner
und schon längst die beste Luftqualität von allen Landeshauptstädten.
Stinken tut es schon lange nicht mehr. Aber auch die höchste Selbstmordrate
herrscht in Linz. Woran das liegen mag? An der verwickelten, durchwringten
Geschichte? Vom Bauernnest zur Metropole? An der seltsamen
Mischung aus Größenwahn und Selbstverleugnung. Vielleicht ist Oberösterreich
deshalb so ein guter Boden für Nazis und die Kunst? Linz, ehemalige
Verbannungsstadt, hier ist der Hitler groß geworden, hat sich in seine Stefanie
verliebt. Alle bekannten Linzer waren unglücklich verliebt, frustriert:
Hitler, Stifter, Kepler, Bruckner. Und alle unerhörten nicht erhörenden Geliebten
hießen Stefanie. Linz ist eine schöne Stadt, die kleinste Großstadt
auf der Welt, ein größenwahnsinniges Mühlviertler Dorf. Freundlich sind die
Leute, offen, redselig, sagen Sätze wie stopp ma o, des ist laff oder nix gsogt
is globt gnua, und doch wird man das Gefühl nicht los, die Linzer wie auch
die Oberösterreicher sind leicht verduckst, haben Probleme mit ihrer Identität.
Wo kommt man her, wo will man auch hin? Nach Wien? Nach München?
Salzburg? Wer die von Franz Stelzhammer gedichtete Landeshymne
erstmals hört, glaubt an einen Scherz: Hoamatland, Hoamatland, han di so
gern, wiar a Kinderl sein Muader, a Hünderl sein' Herrn. Dabei ist der Oberösterreicher
weit weniger stolz auf sein Land als zum Beispiel der Tiroler,
Kärntner oder Steirer. Der Oberösterreicher ist geprägt von einem großen
Misstrauen gegenüber der weiten wie der engen Welt, was vielleicht auch
mitverantwortlich dafür ist, dass das Land immer wieder große Schriftsteller
hervorbringt: Stifter, Bernhard, Ransmayer. Die Oberösterreichische
Landschaft ist kaum hochalpin und auch nicht flach, sondern konsequent
hügelig. Immer wieder geht es leicht bergauf und leicht bergab – so wie
in der Sprache Thomas Bernhards, wo die Sätze auch immer wieder einen
neuen Anlauf nehmen.
Eine ständige Wiederholung des Immergleichen. Wie beim Essen: Bei uns
daheim sind alle böse, wenn sich an den seit Jahrzehnten bewährten Gerichten
nur eine Kleinigkeit ändert, gefüllte Paprika ohne Reis gemacht werden,
bei den Pofesen der Glühwein fehlt oder der Erdäpfelkäse zu fest ist.
Der Oberösterreicher ist stur und liebt das Gewohnte. Vielleicht halten sich
deshalb hier die Landeshauptleute so besonders lang? Weil seine Skepsis so
stark ist, legt der Oberösterreicher großen Wert auf das Gefühl. Das drückt
sich in der Wahlurne ebenso wie in der Kochkunst aus. Nirgendwo wird
soviel gegessen und vor allem soviel über das Essen geredet wie in Oberösterreich.
Was hats bei Euch geben? Was gibt’s morgen? Wollts noch was
essen? Habts schon gegessen? Werdets was essen wollen? Da gibt es zusammengelegte
Knödl, wunderbaren Schweinsbraten und herrliche Mehlspeisen.
Nur die Bedeutung der drei Löcher in den Linzeraugen konnte
ich bislang nicht eruieren. Wollen sie sagen, dass es in Oberösterreich nur
Blinde gibt? Oder sollen sie die Löcher von Kegelkugeln symbolisieren? Das
Essen ist das Wichtigste in Owaösterreich. Wollts noch was essen? Habts
schon gegessen? Werdets noch was essen wollen?