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THE ARTIST



E
In 1944 a German soldier deserted and was hiding in a small village in the Eifel. For fear of discovery the residents didn´t want to help the young man. In dispair he shot himself and was buried in a bomb crater. In 1959, the corpse was discovered when a carousel was built on the site of the former crater. Time seems to tip : for a moment the remnants of war, the bomb hole in the earth, the memory interfere - but the horror gives way to a slight pleasure.
This story is fictional; Wolfgang Staudte told it in his film Funfair (1960 ) which gave the crater a symbolic value . Today, the fair is everywhere, the ruins have long been eliminated as well as the force field crater is concreted and overbuilt.
However, anyone who scans the edges of civilization , still can discover remnants . The photographic research by Henning Rogge demonstrates that even 70 years after the Second World War, the Erdtraumen are not completely eliminated. With camera equipment , conductors and instruments for navigation Rogge roams the German province , including the Eifel, wanders through forests, goes over fields and meadows. With the help of aerial photography he identifies the places where bombs and grenades funnel strikes have driven into the earth. Hidden beyond the sidewalks in the woods or on the horizon depressed in an open area , the holes have turned into silence and solitude realities.
The photograph itself is a soundless, motionless medium, which stresses and forms the aura of time forgotten. The photo means recognition which gives dignity to the inconspicuous place. Henning Rogge's approach is guided by a formal, artistic rigor: the view almost always from a slightly elevated position, the focus directly on the crater, producing images of approchement and distance at the same time. The viewer hovers on the imaginary place of the photographer with no way forth nor back. The glade -like limitations remain unaffected , as if the secret of that place needed to be preserved. The circle in his strange unnaturalness in the midst of a rampant nature becomes visually oval and generates the spatial perspective .
Henning Rogge describes his photos as landscapes. Indeed, the images could be seen in in the tradition of idyllic iconography , a man fleeing romance. The biotopes which partly have formed in the small water-filled holes could be modern utopias of a better world, but ultimately they tell a story about the loss of a landscape parked in availability. The Eidyllion - " little picture " in the Greek original meaning - is in its illusory beauty also a bearer of unrest. Not only the circles form – base of non-objective aesthetic modernity, contradicts impression of irregular growth. The title of the series calls on that terrible primal scene that hardly anyone knows from direct observation today. It is mediated by narratives , historiography and countless images.
It is this other world of images , dug into consciousness , diffuse and provided with vague emotions that cause a spurious noise in the background. The hole of the crater represents a hole in the real world of the story: The past is seen only as a residual of an effect that can hardly be measured by imagination. The holes often equipped with smooth water surface, that reflect the present impenetrable and black, are also blind eyes that have seen the horror. It is not the intention of the photographer to include this abyss with ist corresponing pathos into the picture, but it is the objectivity of the signifier bomb crater, which concerns the viewer as much as the visual fact of photography. There is a rift between the image and the word , the visible and the knowledge , history, and now , between utopia and pessimistic anthropology, which can receive ist confirmation through the wars of the 20th Century.
As much as the crater photographs appear like a prototype for retreats off civilizing pretensions , as much they need to be regarded as evidence of a persistent trace setting from anti-civilizing powers. These micro - places appear almost touching and vulnerable, where they themselves are wounds that could heal only poorly in decades. In constituting the formal agreement between otherwise singular locations and providing them with a name, the photographer directs the seeing to not seeing . The photographs make things obvious, but in the same time they point to a void. The viewer who rejects this latency will be set up in the visible and be content to see a garden with a rondel . Those who accept the latency fall into the attitude of dreaming , of invention - of devotion . The Eidyllion in this case is the medium of the crossing of the idyll.
Text: Prof. Dr. Gunnar Schmidt

D
Ein deutscher Soldat desertiert 1944 und versteckt sich in einem kleinen Dorf der Eifel. Weil die Bewohner aus Angst vor Entdeckung dem jungen Mann nicht helfen wollen, erschießt er sich aus Verzweiflung und wird in einem Bombenkrater verscharrt. Erst 1959 wird die Leiche und mit ihr die Geschichte entdeckt, als an der Stelle des ehemaligen Kraters ein Karussell aufgebaut werden soll. Die Zeit scheint zu kippen: Für einen Moment noch stören die Kriegsreste, das Bombenloch in der Erde, die Erinnerung – aber das Schreckliche weicht dem leichten Vergnügen.
Diese Geschichte ist erfunden, Wolfgang Staudte hat sie in seinem Film Kirmes (1960) erzählt und dem Krater einen symbolischen Wert gegeben. Heute ist die Kirmes überall, die Trümmer sind schon seit langem beseitigt wie auch das Kraftfeld Krater betoniert und überbaut ist.
Wer allerdings die Ränder der Zivilisation absucht, kann immer noch Überbleibsel entdecken. Die fotografische Recherche Henning Rogges belegt, dass auch 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg die Erdtraumen nicht vollständig beseitigt sind. Mit Kameraausrüstung, Leiter und Navigationsins- trument streift Rogge durch die deutsche Provinz, auch durch die Eifel, durchwandert Wälder, geht über Felder und Wiesen. Mit Hilfe von Luftauf- nahmen identifiziert er die Orte, an denen Bomben- und Granateneinschläge Trichter in die Erde getrieben haben. Zum Teil versteckt jenseits der Gehwege im Gehölz oder vom Horizont auf freier Fläche niedergedrückt haben sich die Löcher in Stille- und Einsamkeitswirklichkeiten verwandelt. Die Fotografie, selbst ein tonloses, unbewegtes Medium, betont und formt die Aura der Zeitvergessenheit; die Aufnahme, die Anerkennung verleiht dem unscheinbaren Ort Dignität. Henning Rogges Vorgehen ist dabei von formaler, künstlerischer Strenge geleitet. Fast immer aus einer leicht erhöhten Position den Blick, das Objektiv auf den Krater richtend, entstehen Bilder einer Annährung und gleichzeitiger Distanzwahrung. Der Betrachter schwebt gleichsam am imaginären Ort des Fotografen und kann weder vor noch zurück. Die lichtungshafte Begrenztheit bleibt unberührt, als müsse das Geheimnishafte der Stelle gewahrt bleiben. Der Kreis in seiner fremdartigen Unnatürlichkeit inmitten der zum Teil wuchernden, zügellosen Natur wird optisch zum Oval und erzeugt die perspektivische Räumlichkeit.
Henning Rogge bezeichnet seine Fotos als Landschaftsbilder. Tatsächlich könnte man die Bilder in die Tradition einer idyllisierenden Ikonografie stellen, einer menschenflüchtenden Romantik. Die Biotope, die sich zum Teil in den mit Wasser gefüllten kleinen Löchern gebildet haben, wären moderne Utopien einer heileren Welt, die doch letztlich den Verlust in einer auf Verfügbarkeit abgestellten Landschaft anzeigten. Das eidyllion – „kleines Bild“ in der griechischen Urbedeutung – ist in seiner scheinhaften Schönheit auch Träger einer Unruhe. Denn nicht nur der Kreis, Grundform der gegen- standlosen ästhetischen Moderne, widerspricht dem ersten Blickeindruck des regellosen Wachstums. Der Titel der Serie ruft jene furchtbare Urszene auf, die heute kaum noch jemand aus unmittelbarer Anschauung kennt. Sie ist vermittelt durch Erzählungen, Historiografie und ungezählte Bilder.
Es ist diese andere Bildwelt, ins Bewusstsein eingegraben, diffus und mit vagen Affekten versehen, die im Hintergrund ein Störrauschen verursacht. Das Loch des Kraters repräsentiert auch ein Loch im Realen der Geschichte: Das Vergangene ist nur als Rest eines Effekts zu sehen, der imaginativ kaum auszumessen ist. Die oftmals mit blanker Wasseroberfläche versehenen Löcher, die undurchdringlich und schwarz die Gegenwart spiegeln, sind auch blinde Augen, die das Grauen gesehen haben. Es ist nicht die Absicht des Fotokünstlers, diesen Abgrund in seinem Pathos ins Bild
zu setzen, aber es ist die Objektivität des Signifikanten Bombenkrater, der den Betrachter ebenso angeht wie das visuelle Faktum der Fotografie. Es gibt den Riss zwischen dem Bild und dem Wort, Sichtbarem und Wissen, Geschichte und Jetzt, zwischen Utopie und pessimistischer Anthropolo- gie, die durch die Kriege des 20. Jahrhunderts ihre Bestätigung erhalten kann. So wie die Kraterfotografien als Inbilder für Rückzugsorte abseits zivilisatorischer Anmaßungen erscheinen, so sehr sind sie als Belege einer beharrlichen Spursetzung aus dem Großraum antizivilisatorischer Mächte anzusehen. Fast rührend erscheinen diese Mikro-Orte, verletzlich, wo sie selbst doch Wunden sind, die in Jahrzehnten nur unzureichend verheilen konnten. Indem der Fotograf die formale Übereinstimmung zwischen ansonsten singulären Orten ausmacht und mit einem Namen versieht, lenkt er das Sehen zum Nichtsehen. Die Fotografien zeigen – und sie deuten auf eine Leere. Der Betrachter, der diese Latenz zurückweist, wird sich im Sichtbaren einrichten und damit zufrieden sein, einen Garten mit Rondell zu sehen. Wer die Latenz annimmt, gerät in die Haltung des Träumens, der Erfindung – der Andacht. Das eidyllion ist in diesem Fall das Medium der Durchquerung der Idylle.
Text: Prof. Dr. Gunnar Schmidt


Süddeutsche Zeitung, 2. Mai 2013: Wunden des Krieges, Text von Evelyn Vogel